Zielstellung des Forschungsprojekts


Laut Pflegestatistik 2007 des Statistischen Bundesamtes waren zum 31. Dezember 2007 in Deutschland rund 2,25 Millionen Menschen pflegebedürftig im Sinne des SGB XI, mehr als zwei Drittel (68% bzw. 1,54 Millionen) wurden zu Hause versorgt und 1,03 Millionen ausschließlich von Angehörigen. Grundsätzlich ist eine Versorgung von Pflegebedürftigen aller Pflegestufen im häuslichen Bereich möglich. Allerdings ist die Verfügbarkeit eines stabilen, privaten sozialen Netzwerks, das gewillt und befähigt ist, notwendige Versorgungsleistungen kontinuierlich zu erbringen, eine entscheidende Voraussetzung. Um den Vorrang häuslicher Pflege in Zukunft aufrechtzuerhalten, wird es darauf ankommen, die von Angehörigen erbrachte Pflegetätigkeit stärker als bisher mit vielfältigen professionellen Leistungsangeboten engmaschig zu verknüpfen. Gleichzeitig müssen Strategien entwickelt werden, die Fähigkeit und Bereitschaft der Angehörigen, die Pflege und Betreuung informell zu tragen, zu stärken, sowie passgenaue Hilfsangebote, insbesondere in den Bereichen Beratung, Anleitung/Schulung und Unterstützung von pflegenden Angehörigen zu entwickeln. Im Bereich der häuslichen Pflege müssen sich professionelle Hilfen noch verstärkt den individuellen Bedarfslagen der Pflegebedürftigen und deren Angehörigen anpassen.


Spricht man von pflegenden Angehörigen, werden in Deutschland vorzugsweise Frauen (Ehefrauen/Lebenspartnerinnen, Töchter/Schwiegertöchter, Mütter) gemeint, Angehörigenpflege ist in der klassischen Verteilung der Geschlechterrollen „weiblich“. Allerdings nimmt der Anteil pflegender Männer im häuslichen Bereich zu. Waren es 1991 noch 17% (vgl. MuG III), weist der Gender-Datenreport 2005 (hrsg. vom BMFSFJ) 27% und der Bericht „Frauen – Männer – Räume“ (hrsg. vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, 2007) sogar 37% Männer als Hauptpflegepersonen in häuslichen Pflegearrangements aus. Unter Hauptpflegepersonen sind nicht beruflich agierende Helfer von hilfe- bzw. pflegebedürftigen Menschen zu verstehen, die regelmäßige Unterstützung leisten und dabei mehr als andere informelle Helfer mit der Hilfe oder Pflege befasst sind. Hauptpflegepersonen erbringen also den Hauptanteil informeller Pflege. In der internationalen und nationalen Literatur finden sich deutliche Hinweise darauf, dass sich Männer der Herausforderung Pflegebedürftigkeit anders stellen als Frauen. Wenn es diese Unterschiede gibt, dann sollten ihnen auch Unterstützungs- und Hilfsangebote Rechnung tragen. Gegenwärtig werden pflegende Männer weder als Zielgruppe von Dienstleistungsangeboten hinreichend ernst genommen, noch werden sie durch spezielle Hilfs-, Schulungs- oder Beratungsangebote gezielt gestützt.

Vor diesem Hintergrund ergibt sich für das geplante Forschungsprojekt die folgende Gesamtzielsetzung:

Es sollen männliche im Vergleich zu weiblichen Pflegearrangements in der Häuslichkeit untersucht werden, die Aufschluss über die Spezifik informeller männlicher Pflege geben (gemeint sind hier: pflegende Männer bzw. Männer als Hauptpflegepersonen – ausgeschlossen sind männliche, beruflich Pflegende bzw. männliche Pflegefachkräfte). Darauf aufbauend soll untersucht werden, inwieweit die Entwicklung spezieller bzw.  individueller Unterstützungsangebote für Männer als Hauptpflegepersonen sinnvoll und notwendig ist, und wie diese Angebote konzipiert sein müssen.